Wären wir uns vor zehn Jahren begegnet, wäre die Idee, eines Tages Coach zu sein, für mich nicht vorstellbar gewesen. Ich arbeitete damals erfolgreich in der Arzneimittelentwicklung. Mein Interesse an Systembiologie und Neurowissenschaften war ein Überbleibsel meiner Ausbildung — mehr nicht.
Das änderte sich mit dem Umbruch, der in den letzten Jahren durch die Pharma- und Biotechindustrie ging: überall Transformationen, überall Restrukturierungen. Ich selbst hatte den Auftrag, ein strategisches Projektmanagement-Office für ein Biotechunternehmen aufzubauen — und scheiterte. Nicht an der Technik. An den Strukturen der Organisation. Mein Blick änderte sich: weg von Produkten, Prozessen und Daten — hin zu Verhalten, Werten, Identität. Mein Interesse an Organisationsentwicklung war geboren.
Jahrelang war ich selbst Teil solcher Transformationsprojekte und erlebte, wie viel Anstrengung in Organisationen floss, um sie effizienter, schlanker, schneller zu machen. Was auf Präsentationsfolien überzeugte, wurde selten Realität. Die Absicht hinter den strukturellen Veränderungen mag gut gewesen sein — die Menschen in der Organisation taten sich trotzdem schwer damit.
Am Anfang meines eigenen Veränderungsprozesses stand vor allem rationales Denken — ich war ein kognitives, vernunftbegabtes, von meiner Umgebung geprägtes Wesen. Meine Weiterbildungen führten mich auf einen Weg, der mir zunächst fremd war: Verstand und Körper nicht getrennt zu betrachten, sondern als Einheit.
Das ist heute der Kern meiner Arbeit: Embodiment, ausgearbeitet zu einer Architektur für die Entwicklung von Menschen und den Systemen, in denen sie wirksam sind. Ich nannte mein Projekt Sentinel Architects, weil mir schnell klar wurde, worum es eigentlich geht: meinen Klient:innen Zugang zu einem anderen Bewusstsein zu ermöglichen — präsenter, vollständiger, körperbasiert. Erfahrungen wahrzunehmen, um Veränderung bewusst zu steuern.
Der Naturwissenschaftler in mir möchte trotzdem betonen: Ich arbeite mit Modellen der Neurobiologie, Systemtheorie und Psychologie. Modelle sind nie vollständig. Sie entwickeln sich mit der Forschung weiter — und manchmal werden sie überholt. Mein Anspruch ist es, diese Modelle zu einem in sich schlüssigen Framework zu verbinden und in praktische Interventionen zu übersetzen.